Wie ich zur Boudoir-Fotografie gefunden habe – und warum sie heute so viel mehr für mich bedeutet
Erinnerungen festhalten – Fotografie als Lebensweg
Fotografie war für mich schon immer ein Weg, Erinnerungen festzuhalten. Nicht perfekt inszeniert, sondern ehrlich. Momente, Gefühle, Begegnungen. Dinge, die man vielleicht nicht wiederholen kann, die aber bleiben dürfen – zumindest in Bildern. Lange Zeit war das einfach ein Teil meines Lebens, ohne konkretes Ziel, ohne große Pläne.
Der Einstieg in die Kinky-Szene
Im Jahr 2023 begann ich, tiefer in die Kinky-Szene einzutauchen. Partys wie die Flowers and Bees eröffneten mir einen Raum, der sich fundamental anders anfühlte als vieles, was ich zuvor kannte. Einen Raum, in dem Ästhetik, Offenheit, Selbstbestimmung und gegenseitiger Respekt selbstverständlich waren. Mit der Zeit lernte ich dort eine Gruppe von Menschen kennen, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Seitdem besuchen wir diese Partys gemeinsam – und jedes Mal führt unser erster Weg zum Fotopoint.
Spontane, rohe Bilder und ihre Bedeutung
Die dort entstehenden Bilder haben mit klassischer Boudoir-Fotografie nur wenig gemein. Sie sind oft roh, spontan, technisch weit entfernt von dem, was man als „perfekt“ bezeichnen würde. Und trotzdem sind sie mir unglaublich wichtig. Weil sie besondere Momente festhalten. Nähe. Stolz. Intimität. Selbstbewusstsein. Sie zeigen Menschen so, wie sie sich in diesem Moment fühlen – frei, schön, ganz bei sich.
Ästhetik jenseits gesellschaftlicher Normen
Genau hier begann sich etwas in mir zu bewegen. Denn die Menschen, die ich dort erleben durfte, sind für mich auf eine ganz besondere Weise ästhetisch. Nicht im normierten Sinn der Gesellschaft, sondern durch ihre Offenheit, ihre Körperlichkeit, ihre Lust am Ausdruck und ihre Bereitschaft, sich zu zeigen. Daraus erwuchs der Gedanke, selbst Erinnerungen für Menschen festzuhalten – bewusster, achtsamer, mit mehr Tiefe. Nicht nur dokumentierend, sondern begleitend.
Vom Besucher zur aktiven Rolle
Mein Weg führte mich schließlich auch vom reinen Besucher hin zu einer aktiven Rolle innerhalb der Szene. Heute bin ich Teil des Awareness-Teams der Pop the Cherries in Dortmund. Die Kinky-Community ist längst ein fester Bestandteil meines Lebens geworden. Konzepte wie Consent, Toleranz, Achtsamkeit und Safe Spaces sind für mich dadurch keine theoretischen Ideale, sondern gelebte Praxis. Sie prägen meine Haltung – und sie prägen auch meine Arbeit als Fotograf.
Wendepunkt: Reflektion und Entscheidung
Trotzdem blieb die Boudoir-Fotografie zunächst ein Gedanke, ein Wunsch, vielleicht sogar ein Traum. Ich hatte einen gut bezahlten, sicheren „normalen“ Job. Einen Job, den man nicht einfach aufgibt. Dann kam jedoch eine Phase in meinem Leben, die von schweren Schicksalsschlägen geprägt war und mich emotional stark belastet hat. Ich konnte meinen Beruf über längere Zeit nicht ausüben. Diese Zeit war schwierig – aber sie war auch ein Wendepunkt.
Ich begann zu reflektieren. Über meine Entscheidungen. Über Sicherheit. Über Erfüllung. Und ich stellte mir die Frage, ob mir ein gut bezahlter und sicherer, aber innerlich leerer Weg wirklich genügt. Die Antwort fiel klar aus. Ich wollte nicht länger Dinge tun, die mich nur funktionieren lassen. Ich wollte den Dingen nachgehen, die mich wirklich berühren.
Der Schritt ins Tun: Mut, Equipment und Weiterbildung
Ich nutzte diese Phase, um nachzudenken, zu recherchieren, mich auszutauschen und Wissen aufzubauen. Ich investierte in Equipment, in Weiterbildung – und vor allem in Mut. Ich begann einfach zu machen, ich begann zu fotografieren. Ohne Perfektionismus, aber mit klarer Haltung. Mit dem Wunsch, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich sicher fühlen können. Räume, in denen Sinnlichkeit, Kink, Intimität, Verletzlichkeit und Selbstbewusstsein Platz haben dürfen.
Boudoir-Fotografie heute: Ästhetik, Vertrauen und Tiefe
Heute ist Boudoir-Fotografie für mich genau das: Eine Verbindung aus Ästhetik, Vertrauen und Tiefe. Meine Shootings sind beeinflusst von allem, was ich aus der Kinky-Community mitgenommen habe – vom respektvollen Umgang miteinander, von klarer Kommunikation, von der Selbstverständlichkeit von Consent. Das soll sich langfristig auch in den Bereichen meiner Dienstleistungen widerspiegeln: Neben den klassischen Boudoir-Shootings sollen Shootings in Kinky-Outfits, Paarshootings, Shootings mit Bondage- und Shibari-Elementen oder Shootings im Kontext von Kinky-Partys mein Portfolio ergänzen.
Menschen zeigen, wie sie sein möchten
Ich begleite Menschen dabei, sich zu zeigen – so, wie sie sind oder sein möchten. Ohne Bewertung. Ohne Druck. In einem geschützten Rahmen. Für manche ist es ein kreatives Erlebnis, für andere ein sehr persönlicher Prozess. Beides hat seine Berechtigung.
Der Blog als Reflektionsraum
Dieser Blog ist für mich ein Ort, um diesen Weg festzuhalten. Um zu reflektieren, zu verarbeiten und zu teilen. Und vielleicht auch, um Menschen anzusprechen, die sich darin wiederfinden. Ich bin gespannt, wohin mich diese Reise noch führt. Und ich freue mich darauf, sie hier weiter zu dokumentieren.